MTG Druckkammerfahrt 2026

Zum Start in das neue Jahr 2026 ging es für unsere Vereinsmitglieder zu einem Ausflug der besonderen Art. Ganz ohne nass zu werden ging es auf bis zu 51m in die Tiefe, inklusive Tiefenrausch.

Aber erst einmal der Reihe nach.

Die MTG-Taucherlein durften bei einem sog. Druckkammerseminar in gesicherter Umgebung die Auswirkungen des Druckes in großer Tiefe auf ihre Befindlichkeiten und die Einschränkungen Ihrer Wahrnehmungsfähigkeit erfahren.

Ein paar der Teilnehmer fanden sich bereits zum Ende der laufenden Arbeitswoche in Überlingen am schönen Bodensee ein. In geselliger Runde trafen sich sieben Taucherlein um bereits Ihre Erwartungen und Hoffnungen an die anstehende Druckkammerfahrt zu bereden und bei gutem Essen zu teilen.

Am nächsten Morgen ging es pünktlich und um zwei Taucherlein ergänzt zum Treffpunkt um 09:45 Uhr vor der Heliosklinik (Helios Spital Überlingen) im Härlenweg 1 in Überlingen.

In dem Helios Spital ist die bundesweit einzige Druckkammer des BTSV/VDST untergebracht. Diese wurde bereits im Jahr 2012 angeschafft und ersetzte eine alte Kammer aus den 70er Jahren.

Dabei ist hervorzuheben, dass die Finanzierung aus Eigenmitteln des BTSV, Einnahmen aus Druckkammerseminaren und durch Fördermittel des Badischen Sportbundes Freiburg e.V. sowie durch Unterstützung vieler Spender gestellt wurde.

Am Empfang entgegen genommen von den beiden Seminarleitern wurden die Teilnehmer in den Keller zur Druckkammer geführt.

Die Druckkammer (Haux Star Med2000) erfüllt in jeder Hinsicht die gesetzlichen und medizinischen Anforderungen. Sie bietet Platz für sechs sitzende oder zwei liegende Patienten.

Dabei ist die Vor- und die sog. Hauptkammer durch eine druckdichte Tür getrennt, die es ermöglicht, dass jederzeit Ärzte und medizinisches Personal ein- und ausgeschleust werden können.

Die Druckluftversorgung wird durch den Bauer „Poseidon 550“ Kompressor und 20 Stück 200 bar Speicherflaschen mit je 50 Liter Inhalt gesichert.


Dabei ist die Druckkammer an die Sauerstoffversorgung der Klinik angeschlossen.

Reservesystem für Kommunikation, Sauerstoff, Luftversorgung, Strom sowie ein Feuerlöschsystem stehen ebenfalls zur Verfügung.

Es ist daneben auch möglich die gängigsten Tauchcomputer über Interfaces auslesen zu lassen.

Nachdem die Druckkammer erst einmal optisch begutachtet werden durfte ging es an eine Vorstellung des Tagesablaufplanes.

Dieser sah vor, dass zunächst eine kleine Vorstellungsrunde abgehalten wird, bei der die Teilnehmer erzählen durften welche Brevetierungen sie bereits erlangt haben und ob sie ggf. schon einmal die Erfahrung eines Tiefenrausches gemacht haben.

Im Anschluss an diese Runde wurde erst einmal erklärt was physiologisch gesehen während eines Tiefenrausches geschieht und welche Erscheinungsformen der Tiefenrausch hat.

In dem weiteren Verlauf wurde ein wenig die Historie der Entwicklung dieser Druckkammer erläutert und die Einsatzmöglichkeiten auch außerhalb von Tauchunfällen und Deko-Traumata dargestellt.

Sodann wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt, da es doch in dieser Druckkammer etwas kuschelig wird und Platzangst eher ein hinderlicher Umstand wäre.

Daraufhin mussten Tauchtauglichkeitsbescheinigungen der Teilnehmer vorgelegt und geprüft werden und wie vor jedem Tauchgang wurde besprochen wie es um das Körpergefühl der Teilnehmer bestellt war und ob diese sich tauchtauglich für die anstehende Fahrt fühlten.

Nachdem dies für alle Teilnehmenden positiv beantwortet werden konnte, teilte sich die Gruppe auf und die zweite Gruppe durfte die Räumlichkeit der Druckkammer vorerst verlassen, damit sie nicht schon wussten, was genau auf sie zukommen wird, um eine vollumfängliche Ersterfahrung mit der Druckkammer sicherzustellen.

Aus Brandschutzgründen sollte in Baumwollkleidung und nach Ablage aller nicht druckfesten Gegenstände die Kammer betreten werden.

Nach einer Sicherheitseinweisung in der Kammer selbst, die unter anderem die unterschiedlichen Überwachungseinrichtungen, wie Kameraüberwachung und eine dauerhafte Akustiküberwachung, die auch eine Kommunikation mit den Seminarleitern und Druckkammerbedienen jederzeit ermöglicht, erklärte, wurde festgelegt welcher der Teilnehmer die Moderationsrolle in der Gruppe übernehmen sollte.

Es wurde auch festgelegt, dass die Teilnehmer nach Abfrage immer mittels Zeichen oder unter verbaler Bestätigung mitteilen sollten, ob sie körperliche Negativerscheinungen verspürten, wie z.B. Probleme beim Druckausgleich, oder ein Unwohlsein, damit dementsprechend umgehend gehandelt werden kann, und ggf. auch ein Abbruch der Fahrt erfolgt.

Denn es gilt Sicherheit an oberster Stelle zu gewährleisten.

In der Zieltiefe ging es darum auch kognitiv herausfordernde Aufgabenstellungen zu bewältigen.

Dabei musste es seitens eines Taucherlein koordiniert werden, dass die Gruppe dies auch erfolgsgekrönt erreichen konnte.

Es wurde sodann festgelegt, dass alles was in der Druckkammer geschieht auch in der Druckkammer bleibt.

Um den Lesern die Neugier auf eine solche wichtige und sinnvolle Druckkammerfahrt nicht zu nehmen nur so viel vorweg.

Es werden gesangliche Proben und Gedächtnisübungen abverlangt.

Unter dem Einfluss des gesteigerten Druckes auf den Körper ergeben sich dabei ganz neue Herausforderungen und Eindrücke.

Nach Ablauf der Grundzeit bei einer Tiefe von 51 m ging es sodann unter Einhaltung der Deko-Stopps nach oben.
Bereits ab 12m wurde dabei den Teilnehmern über Sauerstoffmasken, Sauerstoff zugeführt, der zu einer schnelleren Ausatmung des Stickstoffes beitragen sollte.

Mit einer Gesamtdauer von ca. 70 min in der Kammer kam die Fahrt zu einem Ende.

Die zweite Gruppe war nun an der Reihe.

Nachdem auch diese Gruppe Ihre ganz eigenen Erfahrungen in der Kammer machen durften, gab es eine detaillierte Nachbesprechung der Erfahrungen und Eindrücke, die dieses Erlebnis hervorgerufen hatte.

Es wurde den Teilnehmern auch ein Praxisfall dargestellt, bei der eine Taucherin bei einem Tauchunfall zur Behandlung in diese Kammer gebracht wurde.

Der Tag hat dazu beigetragen einen jeden dafür zu sensibilisieren was bei einem Tauchunfall mit einem Deko-Trauma zu tun ist, dass schnelles Handeln und auch oftmals ein Beharren auf die Zuführung reinen Sauerstoffs von Nöten ist, um gesundheitliche Folgen zu vermeiden und weiterhin diesen wunderschönen Sport ausüben zu können.

Glücklicherweise ist die Anzahl an Tauchunfällen rückläufig, was unter anderem auch durch solche Veranstaltungen möglich ist.

Dabei ist hervorzuheben, dass der Betrieb dieser Druckkammer ehrenamtlich erfolgt.

Die Wichtigkeit dieser Tätigkeit muss dabei nicht nochmalig hervorgehoben werden.

Es versteht sich von selbst, wie wichtig solche Seminare sind um Wissen zu vermitteln und zu sensibilisieren, damit der Tauchsport sicher bleibt.

Neben den medizinischen Inhalten nehmen die Taucherlein mit, dass derartige Tiefen die kognitiven Fähigkeiten stark beeinträchtigen, die Eigenwahrnehmung von der Fremdwahrnehmung deutlich divergiert und daher ein vorsichtiger Umgang mit derartigen Tiefen angezeigt ist.

Der MTG bedankt sich für diesen eindrucksvollen Samstag und die Erlebnisse in der Druckkammer werden als Erinnerungen mit einem dicken Schmunzeln im Gedächtnis bleiben.

Vielen Dank vor allem auch an Benjamin Jäger, der das Ganze überhaupt ermöglicht hat.

Auf das nächste Erlebnis in der Münchner Tauchergemeinschaft und gut Luft!